Taghazout entdecken
Surfen, Sonne und Meer
Als ich vor 10 Jahren auf dem Weg die marokkanische Küste entlang an Taghazout vorbei fuhr, war es ein beschauliches, einfaches marokkanisches Fischerdorf. Nur einige wenige Individualtouristen verirrten sich hier her und schätzten das schlichte marokkanische Leben . Sie genossen die unberührten Strände und ließen sich von den atemberaubenden Sonnenuntergängen verzaubern .Taghazout war ein stiller Rückzugsort abseits des Trubels.
Als die Wellenreiter kamen
Dann kamen vor einigen Jahren die jungen Wellenreiter und eroberten Taghazout für sich. Surfschulen, Yogazentren und Coworking Cafés entstanden . Das Dorf entwickelte sich zu einem Mekka für Surfer und Digital Nomaden, die hier dank des milden Klimas und den guten Surfwellen einen neuen Spot für sich entdeckt haben. Dennoch behielt das Dorf seinen einfachen Charme und blieb ein Ziel für Individualtouristen.
“In Taghazout misst man die Zeit nicht in Stunden,
sondern in Wellen”
(Unbekannt)
Taghazout im Wandel
Das Bild von Taghazout verändert sich derzeit rasant: Große amerikanische Hotelketten haben die sonnige Taghazout Bay für sich entdeckt. Noch bauen sie ihre Riesen-Resorts abseits des eigentlichen Dorfes, aber die Freiflächen zwischen Dorf und Luxusoase werden immer kleiner und die neu gebaute Promenade schließt bereits jetzt die Verbindungslücke.
Mit dem Einzug der großen Hotels zieht Taghazout nun auch wohlhabende All-Inclusive-Urlauber an. Die bisher lebendige U30-Surfer-Community wird dadurch spürbar verändert: Statt der jungen, abenteuerlustigen Wellenreiter prägen zunehmend Pauschaltouristen das Bild, die andere und oft höhere Ansprüche an Komfort und Angebote vor Ort haben.
Ob es Taghazout gelingt, den Spagat zu meistern – die ursprüngliche Surfer-Community zu bewahren und gleichzeitig neue Touristen willkommen zu heißen, ohne dabei seinen eigenen Charme zu verlieren – wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Genau dieser entspannte Surf-Vibe macht den besonderen Reiz dieses Ortes aus. Verliert Taghazout ihn, droht es, zu einem weiteren gesichtslosen Urlaubsziel für sonnenhungrige Pauschaltouristen zu werden.
Der Fischerstrand von Taghazout
Zentraler Anziehungspunkt in Taghazout ist der kleine Dorfstrand. Hier liegen die alten blauen Holzboote, mit denen auch heute noch die Fischer rausfahren, und erzählen die Geschichte vom alten Fischerdorf Taghazout. Wenn die Fischer heimkehren, kannst du direkt hier am Strand die Ware begutachten und kaufen.
Die enge Bucht wird umrahmt von den sich dahinter steil auftürmenden blau-weißen Würfelhäuser. Entlang der Uferpromenade reihen sich kleine und größere Cafés und Restaurants, alle mit Blick auf das weite Meer.
Am Strand treffen sich Einheimische zum Fußball spielen und die Touristen genießen Sonne, Sand und das stete Rauschen der Atlantikwellen. Einige Souvenirverkäufer preisen ihren handgemachten Schmuck und Schnitzereien an, aber ohne aufdringlich zu sein. Außerdem kannst du hier auf Dromedaren oder Pferden am Strand entlangreiten. Da die Strandbucht allerdings nur etwa 100 Meter breit ist, empfinde ich das Erlebnis eher als kurz und wenig beeindruckend. Als Fotomotiv eignet es sich aber allemal.
Das Dorfzentrum von Taghazout
Das kleine Zentrum von Taghazout ist schnell entdeckt. Die engen Gassen führen vom Meer senkrecht bergauf und parallel dazu. Im unteren Teil des Dorfes findest du allerhand Surfshops, die neben Bordverleih auch trendige Surferklamotten anbieten. Dazwischen liegen kleine Souvenirläden mit traditionellen marokkanischen Mitbringsel und diverse Cafés und Restaurants.
Auf der den Ort teilenden Hauptstraße reihen sich Minimärkte, Bankautomaten und Restaurants aneinander. Hier findest du alles für den täglichen Bedarf . Es gibt im ganzen Dorf keine Wechselstube. Geld kannst du demnach nur an den Bankautomaten ziehen. Ebenfalls an der Hauptstraße liegen die zentralen Bushaltestellen und Taxistände , sowie einige Auto- oder Mopedverleihe. Von hier kommst du direkt nach Agadir, zum Flughafen oder auch nördlich nach Essaouira und Imsouane.
Im oberen Teil von Taghazout liegen günstige Surferhostels, kleine Appartments und die Einheimischen leben dort. Gerade in den frühen Abendstunden macht ein Bummel durch das bunte Städtchen mit seinen Läden Spaß. Was mich allerdings gewundert hat, ist das es gar keine kreative Szene hier gibt. Weder findest du kleine Galerien , noch echte Werkstätten oder Shops für individuelles Kunsthandwerk. Das ist schade, denn das wäre ein echter Bonus für Taghazout. So bleibt es bei der Standardware aus typischen Souvenirs und Kleidung.
Spaziergang zum Anchor Point
Im milden Licht der Abendsonne lohnt ein Spaziergang die Küste hinauf Richtung Anchor Point. Entlang des Weges findest du zahlreiche hübsche Lokal mit Blick aufs Meer. Einige haben die Tische direkt auf die Felsen nah an der Brandung gestellt, andere nutzen erhöhte Terrassen. Von allen hast du den besten Blick auf die im Westen untergehende Sonne.
Schön ist die Terrasse vom Café Surf Berber, wo du auf orientalischen Kissen und niedrigen Tischen bei wärmendem Feuer und leckeren (meist anti-alkohlischen) Drinks und Speisen dem Sonnenuntergang zusehen kannst. Aber auch Anchor Point selber, welches du nach etwa 20 Minuten Fuß weg erreichst, lohnt sich um diese Zeit.
Hotspot zum Sonnenuntergang
Statt entlang der Küste nach Anchor Point zu laufen , kannst du auch einfach den Hang hinterm Dorf hinauf klettern. Dort befindet sich der große Skaterpark.
Gerade zum Sonnenuntergang ist es ein beliebter Treffpunkt der jungen Leute. Während die Sonne im Meer hinter der Dorfkulisse versinkt, zeigen die Skater hier ihre wilden Kunststücke. Aber es ist - wie so vieles in Taghazout- längst ein Massenerlebnis.
Entlang der Strandpromenade in Taghazout
Am südlichen Ende von Taghazout beginnt die neu angelegte Promenade entlang des Panorama Beach und Taghazout Beach. Sie verbindet über 4,5km Taghazout mit Tamragth. Auf der Hälfte zwischen beiden Orten entsteht eine künstliche Luxusenklave mit teuren Hotels und Restaurants , sowie Golfplatz.
Auf breiten Wegen schlenderst oder radelst du immer direkt am Strand entlang mit Blick auf das offene Meer. Der lange, sandige Strand Panorama Beach ist einer der der Lieblingsplätze der Surfer. Wie riesige Schwärme hocken sie auf ihren Bretten im Wasser und warten auf die perfekte Welle. Es ist allerdings der Anfängerstrand, daher ist er sehr voll und laut und zum zugucken nicht so geeignet. Für Schaulustige bietet Anchor Point oder auch Devils Rock etwas südlicher interessantere Ausblicke.
Noch weiter hinten teilen sie die erwähnten Luxushotels ihre Claims am Taghazout Beach. Hier gibt es hippe Strandclubs mit abgezäunten Liegenbereichen, Jetski Verleih und allerlei Strandbelustigung. Dazwischen findet man aber immer noch ein paar ruhige Plätzchen zum wild baden ohne viel Schnick Schnack.
Surfen in Taghazout
Taghazout gilt seit langem als die Surf- und Yogahauptstadt Marokkos – kein Wunder bei den legendären Surfspots entlang der glitzernden Küste. Surfen ist hier ein Muss und eignet sich für alle Levels: Von Anchor Point Bay über Devils Rock bis hin zum Banana Beach gibt es für jeden das passende Wellenabenteuer. Hier eine kleine Auswahl der bekanntesten Surfspots.
Hash Point
Dieser Surfspot liegt direkt im Dorf und ist für alle Surfer- vom Anfänger bis Könner- geeignet. Er erhielt seinen Namen von den Hippies, welche in den frühen 70er Jahren hierherkamen, also das Dorf noch völlig unbekannt war. Sie haben hier wohl auf ihre Art und Weise "entspannt". Auch Jimmy Hendrix war eine Zeit lang mit von der Partie. Aber Achtung, die Wellen laufen hier auf ein Felsplatteau und enden an der Kaimauer.
Panoramas
Der gleichnamige Spot am Panorama Beach ist der meist frequentierteste Surfspot in Taghazout. Hier ist der Einstieg für Anfänger leicht und fast alle örtlichen Surfschulen üben mit ihren Schülern an dem Strand. Deshalb ist es dort auch besonders voll. Panoramas ist schnell und einfach zu Fuß aus dem Dorf erreichbar.
Anchor Point
Hier triffst du auf die beste Welle in Marokko. Vor allem Könner zieht dieser Küstenstreifen an und es finden zudem zahlreiche internationale Surfer-Events statt. Besonders im Winter, von September bis März, entfaltet Anchor Point sein volles Potential. Nicht nur für Surfer ein "Must See" sondern auch für alle, die gerne nur zugucken.
Devils Rock
Südlich von Taghazout, nah am Strand von Imrouane liegt auf einer vorgelagerten Halbinsel der Devils Rock. Die Wellen brechen hier in einer kleinen Bucht .Surftechnisch ist der Spot hauptsächlich für Fortgeschrittene Surfer interessant. Oberhalb des Strandes reihen sich mehrere Beachbars aneinander, die alle einen guten Blick auf die Wellen am Devils Rock bieten.
Essen in Taghazout
In Taghazout gibt es im Verhältnis zur Ortsgröße überraschend viele Restaurants und Cafés. Hauptsächlich richten sie sich gezielt an das junge Surferpublikum, punkten mit guten Online-Bewertungen und bieten ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wie üblich sind die Restaurants direkt am Meer etwas teurer als die im Ortskern. Wir haben oft gut gegessen, möchten aber besonders einige Lokale hervorheben, die uns besonders überzeugt haben:
Favela Rooftop
Absoluter Spitzenreiter ist für mich das Restaurant Favela , hoch oben im 5.Stock mit wunderbarer Dachterrasse und Blick über den Fischerstrand. Gemütlich rustikal sitzt man auf Treibholzmöbeln , die Küche ist marokkanisch- international auf recht hohem Niveau. Das spiegelt sich auch in den Preisen wieder, die hier deutlich teurer sind als in anderen Restaurants. Das Personal ist sehr bemüht und freundlich, der Service aber etwas schleppend . Man wartet lange aufs Essen. Aber das lohnt sich dann trotzdem sehr. Kleiner Tipp: Hier oben weht immer eine heftiger Wind, auch wenn unten kaum ein Lüftchen geht. Bring dir auf alle Fälle etwas warmes zum überziehen mit,
Mungas Kitchen
Aus der selben Schmiede wie das Favela ist Munga Kitchen. Beide Restaurants gehören zum Hotel Munga Guesthouse. Im Mungas Kitchen bekommst du neben internationaler Küche hauptsächliche italienische Gerichte wie Pasta und Pizza. Mittags ist es gemütlich und entspannt, Abends ist es sehr laut und voll, da zum Restaurant die einzige Bar im Ort gehört, die eine Alkohol Linzenz hat. Dementsprechend trifft sich hier die ganze Jugend zum feiern. Preislich ist Munga Kitchen eher im teuren Segment anzusiedeln
Red Clay Café
Der Hotspot für alle Veganer und viele Digital Nomaden ist das Red Clay Café. Es liegt direkt an der Hauptstraße und ist eigentlich immer brechend voll. Hier bekommst du 100% vegane Gerichte. Preislich völlig angemessen, wenige Sitzplätze. Du musst fast immer anstehen und Gelduld mitbringen. Publikum hauptsächlich U35.
Sunset Resto
Ein sehr kleiner Laden für einfache Gerichte. Besonders ist hier, dass sie als einzige einen ACAI Bowl anbieten. Er liegt auch auf der Hauptstraße, Ambiente sehr einfach, preislich fair.
World of Waves
Das Strandlokal hat einen der schönsten Terrassen am Fischerstrand und ist sehr geschmackvoll gestaltet. Neben einer umfangreichen Karte vom Imbiss bis mehrgängigen Menü finden im World of Wave auch diverse Events mit Musikern und lokalen Künstlern statt. Es ist der Anziehungspunkt No 1 am Strand von Taghazout.
Übernachten in Taghazout
Wie bereits erwähnt, befinden sich entlang des Taghazout Beach die neuen, großzügigen Hotelkomplexe, die modernen Komfort in allen Facetten bieten. Alle liegen direkt am Strand und sind über die Promenade fußläufig mit dem Dorf verbunden. Dennoch fehlt ihnen für meinen Geschmack der typische marokkanische Charme – sie wirken etwas fremd und fehl am Platz in der sonst so schlichten Umgebung. Im Dorf selbst findet man eine Auswahl an Unterkünften, die von einfach bis zur Mittelklasse reichen und vor allem für das jungen Publikum attraktiv sind.
Mein Tipp: Munga's Guesthouse
Wir haben uns für das 3 Sterne Boutique Hotel Mungas Guesthouse entschieden. Es liegt mitten im Dorf, nah am Fischerstrand und allen Restaurants. Mungas Guesthouse bietet etwa 18 Zimmer und 5 Suiten an, die alle unterschiedlich dekoriert sind . Der Stil ist ein Mix aus marokkanisch, afrikanisch und Boho-Style. Es steckt endlos viele Liebe im Detail der Einrichtung, die vorangig aus natürlichen Materialen besteht . Es wurde sehr viel Treibholz verarbeitet. Das Personal ist unheimlich herzlich, engagiert und freundlich. Jeder Wunsch wird versucht zu erfüllen. Die Atmosphäre im Hotel ist sehr relaxed und locker. Toll ist die Dachterrasse (Restaurant Favela) ,wo das üppige Frühstück serviert wird.
Leider gibt es ein paar Mankos beim Komfort (keine Kleiderschränke, nur offene Fächer, keine Haken, auch nicht im Bad, Dusche ohne Druck , Beleuchtung sehr düster, kein TV, keine Minibar, keine Kaffeemaschiene, keine Klimaanlage). Dennoch war das Munga Gustehouse für uns die beste Option in Taghazout. Es ist sehr zentral, sehr authentisch und einfach schön. Wenn du auf einen gewissen Komfort verzichten kannst, würde ich dir das Boutiquehotel wärmstens empfehlen. Weitere schöne Unterkünfte weltweit findest du unter meinen Lieblingsplätzen.
Ausflüge ab Taghazout
Taghazout selbst hat - abgesehen vom Surfen und Sonnenbaden - nicht allzu viel zu bieten. Dafür ist es ein perfekter Ort zum Entschleunigen und um entspannte Tage am Meer zu genießen. Wenn du jedoch mehr erleben möchtest, hält die Umgebung doch einige Möglichkeiten bereit. Ein Mietwagen ist hier definitiv von Vorteil und kann ich dir sehr empfehlen, um die Region flexibel zu entdecken. Alternativ kommst du auch bequem mit dem Bus nach Agadir, dem nächstgrößeren Ort, von wo aus weitere Ausflüge starten.
Zum Souk nach Agadir
Etwa 30 Minuten fährst du mit dem Auto nach Agadir. Gerade für einen Regentag bietet sich der über 13 Hektar große überdachte Basar namens El Had mit mehr als 3000 Geschäften als Shoppingparadies an. Es gilt als der größte städtische Markt in Afrika. Mit seiner 6 Meter hohen Mauer , der Moschee und den 13 Toren erinnert er eher an eine eigene Festungsstadt. Hier bekommst du eine unendlich große Auswahl an Lebensmitteln, Gewürzen, Leder- und Metallwaren, sowie Kleidung und Schmuck. Eigentlich alles, was das Urlauberherz begehrt. Die Händler sind entspannt und gar nicht aufdringlich. Gezahlt werden kann nur in bar, also nimm genug Dirahm mit. Handeln ist Pflicht, wie überall in muslimischen Ländern und teil des Einkaufsvergnügen.
Für mich fehlt allerdings etwas Gastronomie in dem riesigen Souk. Es gibt einige Stände mit Orangensaft und auch mal Tee, wenige Imbissstände aber so gut wie kein Restaurant oder Café, wo man mal Pause machen kann. Auch die Umgebung außerhalb bietet da nicht wirklich viel. Parken kann man rund um den Souk auf riesigen Parkplätzen. An sich sind sie kostenfrei, aber meistens kommt ein Einheimischer und verlangt etwa 10MAD (etwa 90Cent) um das Auto zu bewachen. Nimm es einfach hin und diskutiere nicht. So bleibst du entspannt.
Die neue Medina von Agadir
Da in den 1960er Jahren ein Erdbeben die Stadt Agadir vollständig zerstörte, findest du hier keine alten Bauten mehr. Jedoch hat Anfang der 1990er Jahre der Italiener Coco Polizzi im Auftrag der Stadt, die alte Medina originalgetreu an einem neuen Ort - etwa 6 km außerhalb vom Stadtzentrum- nachgebaut. Verwendet wurde hauptsächlich altes Baumaterial Holz, Lehm und Stein. Er hat sich bemüht die alte von den Berbern stammende Bauweise zu übernehmen. Innerhalb der etwa 5 Hektar großen Medina findest du ein Amphitheater, zahlreiche kleine Läden mit Kunsthandwerk, eine Teestube und ein kleines Restaurant. Die Medina ist täglich von 09:00-18:00 Uhr geöffnet und kostet etwa 40MAD (4 Eur) Eintritt. Du kannst den Ausflug dorthin gut mit dem Besuch im Souk kombinieren.
Wandern im Paradise Valley
Eine etwas 50-minütige Fahrt führt dich ins Hinterland zum Paradiese Valley. Die Fahrt an sich ist schon interessant, weil du durch verschiedenste Landschaften kommst und einen guten Eindruck vom ursprünglichen Marokko bekommst . Kleinste, ärmliche Siedlungen, Ebenen voller Arganbäume, karge Felslandschaften und palmenbestandene Flusstäler , all das siehst du auf der Fahrt ins Valley.
Am Parkplatz geht es dann sehr touristisch zu und du kämpfst dich erst einmal entlang von diversen Verkaufsbuden und Touranbietern hinunter in das eigentliche Paradise Valley . Wenn du dann alle Buden und Cafés und vielleicht auch die vielen anderen Touristen hinter dir gelassen hast, öffnet sich eine wunderschöne , canyonähnliche Felslandschaft mit diversen natürlichen Süßwasser Pools. Das Farbspiel der Steine und die bizzaren Formen der ausgewaschenen Flusstäler sind wirklich beeindruckend. Gerahmt wird das alles von mediterraner Vegetation, winzigen Wildblumen und knorrigen Bäumen. Man kann das Tal über 4-5 km entlang laufen. Soweit ich das sehen konnte, gibt es keinen Rundweg. Bitte denke an ausreichend Wasser, feste Schuhe und natürlich Badekleidung, wenn du in den Süßwasser Pools baden möchtest.
Paradise Valley ist vor allem im frühen Frühjahr bis Ende März sehenswert, wenn noch genug Wasser im Flusslauf ist. Aber auch dann ist es bereits ein Massenanziehungspunkt. Wenn du das Tal fast für dich alleine haben möchtest, musst du sehr früh am Morgen ankommen und die Wochenenden meiden. Spätestens ab 10Uhr fallen die Tourbusse ein. Es ist definitiv ein schöner Ausflug, aber in Zeiten von Instagram und Tiktok eben auch kein Geheimtipp mehr.
Schöne Wanderungen empfehle ich dir in ⇒ England, ⇒Frankreich und ⇒ Deutschland
Ein kritischer Blick auf Taghazout
Im Netz und vor allem auf Instagram und Tik Tok kursieren zahlreiche Bilder und Berichte zu Taghazout und erzählen das schöne Märchen vom authentischen Fischerdorf mit wunderbar marokkanischen Flair. Dem möchte ich hier zumindest in Teilen widersprechen. Authentisch bedeutet übersetzt “echt und ursprünglich”. Echt und ursprünglich sind in Taghazout vielleicht noch die Fischerboote und die Häuser. Aber damit endet auch schon die Ursprünglichkeit.
Taghazout ist inzwischen ein vollkommen auf Touristen ausgerichteter Ort. Marokkanisches Leben findet im Grunde – zumindest sichtbar- nicht statt. Wenn du das suchst, fahr besser ins nahegelegene Tamragh, hier ist das noch der Fall. Taghazout ist wirklich ein netter und entspannter Urlaubsort, der fest in europäischer Hand ist. Marokkanische Männer sieht man nur als Personal in allen Bereichen und marokkanische Frauen kommen im Stadtbild tatsächlich gar nicht vor. Marokkanische Tradition ist nicht sichtbar- selbst im Ramadan geht hier alles seinen gewohnten Gang und alle Serviceleistungen werden rund um die Uhr angeboten. Ich möchte das hier gar nicht bewerten und gestehe das den Einheimischen durchaus zu, aber ich möchte mich gegen den Eindruck wehren, der Taghazout als authentischen marokkanischen Ort beschreibt.
Außerdem möchte ich auch erwähnen, dass der Ortskern von Taghazout sehr dreckig ist. Müll ist allgegenwärtig . Ich habe gesehen, dass sehr viel gekehrt wird und man versucht diesem Problem Herr zu werden, aber alleine das Meer schafft jeden Tag Unmengen an Plastikmüll an den Dorfstrand. Ich glaube mit diesem etwas realistischen Blick auf Taghazout tut man dem Dorf ein Gefallen, denn dann kommen die Besucher mit erfüllbaren Erwartungen.
Taghazout ist kein “hidden gem” an Marokkos Küste, es ist kein authentischer marokkanischer Ort abseits der Massen. Aber Taghazout ist ein angenehmer , noch sehr entspannter Urlaubsort mit Flair und Charakter, vorwiegend für junge Menschen unter 35. Mit der bereits erwähnten Bebauung des Ortsrandes durch große Hotels wird sich aber auch das ändern, denn für die Surfer wird der Ort bald zu teuer werden und die Pauschalurlauber werden mit ihren Anforderungen zu einer Angebotsänderung im Dorf beitragen.
Fazit zu Taghazout
Dies war mein – in Teilen kritischer – Blick auf Taghazout, dem netten Urlaubsort an Marokkos südlicher Atlantikküste. Für entspannte Tage am Meer oder den Einstieg in die Kunst des Wellenreitens ist es ein lohnendes Ziel, gerade im frühen Frühjahr, wenn es bei uns noch kalt ist. Vorrangig zieht es bisher junge Menschen unter 35 an. Aber das ändert sich gerade. Wenn du also noch etwas von seinem bisherigen Charme und Spirit spüren möchtest, dann solltest du dich schnell auf den Weg nach Taghazout machen.
Auf der Suche nach einem guten Vibe? Den findest du in ⇒ Ibiza
Wie immer bei meinen Berichten gilt, ich schreibe nur über das was ich selber erlebt habe und wie ich es empfinde. Es sind meine ganz persönlichen Eindrücke, die durchaus von deiner eigenen oder einer anderen Meinung abweichen kann. Das heißt aber auch, es ist nie ein vollständiger, allumfassender Guide für ein Ziel. Natürlich gibt es auch in und um Taghazout weiteres zu tun und zu erleben. Aber dafür reichte meine Zeit nicht aus. Diese Reise war privat finanziert und ich habe keine Vergünstigung für Hotel, Flug oder andere Leistungen erhalten. Alle Erwähnungen sind unbezahlte Werbung.
Ein echter Geheimtipp abseits der Massen am Marokkos Küste ist der kleine Küstenort Asilah. Hier erlebst du Marokko noch wirklich authentisch.
Schöner und interessanter als Taghazout finde ich persönlich Essaouira . Der Urlaubsort bietet mehr Abwechslung, Kultur und Möglichkeiten.
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